| CH-Dokumente Ausnahmen Pogrom NATIONALE KOMMISSION FÜR DIE VERÖFFENTLICHUNG DIPLOMATISCHER DOKUMENTE DER SCHWEIZ 1848-1945 VERÖFFENTLICHT UNTER DEM PATRONA1 DER ALLGEMEINEN GESCHICHTF0RSCHENDEN GESELLSCHAFT DER SCHWEIZ MIT DER UNTERSTUTZUNG DES SCHWEIZERISCHEN BUNDESARCHIVS, DER HILFE DES SCHWEIZERISCHEN NATIONALFONDS ZUR FÖRDERUNG DER WISSENSCHAFTLICHEN FORSCHUNG UND EINEM BEITRAG DER SCHWEIZERISCHEN AKADEMIE DER GEISTES- UND SOZIALWISSENSCHAFTEN Frankfurt, 11. November 1938 Wie im übrigen Deutschland haben gestern auch in meinem Konsularbezirk bedauernswerte Ausschreitungen gegen Juden stattgefunden. Rotten von halbwüchsigen Jungen, mit Äxten und Brechstangen bewaffnet, durchzogen die Stadt und zerstörten in den jüdischen Geschäften die Scheiben, drangen in dieselben ein und schlugen alles kurz und klein. An verschiedenen Orten warfen sie die Ware auf die Strasse und zündeten sie an, die vier Synagogen der Stadt sind ausgebrannt. Ferner wurden bei Juden Haussuchungen vorgenommen und die Männer unter 60 Jahren verhaftet und in Schutzhaft abgeführt. Da ich für unsere Landsleute jüdischen Glaubens fürchtete, begab ich mich im Laufe des Vormittags auf das Polizeipräsidium, wo ich von dem stellvertretenden Herrn Polizeipräsidenten, Regierungsrat Voss, empfangen wurde. Ich forderte für die Landsleute Schutz für Leben und Eigentum, was er mir auch zusagte. Er erbat sich von mir eine Liste der Landsleute jüdischer Konfession, welche ich ihm in den Nachmittagsstunden übergeben liess. Bei der Verabschiedung von Herrn Regierungsrat Voss äusserte er sein Bedauern über die Vorfälle und sagte, dass der Polizei die Hände gebunden seien. Mit einer einzigen Ausnahme wurden unsere Landsleute nicht belästigt. Einzig Herr Oppenheimer, der bis vor kurzem neben der schweizerischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besessen hatte, wurde mit der Frau von der Polizei auf das Revier geführt, wo er vernommen und nach Vorzeigen seiner Ausweispapiere wieder entlassen wurde. Morgens gegen 10 Uhr hatte ich den Besuch von Herrn Stub, Mitinhaber der Fa. «Stubs Quelle», L.S. Stub & Co. in Mainz, an welcher Firma, wie Ihnen bekannt ist, unser Landsmann Sigmund Krausz, Zürich, massgebend beteiligt ist. Er teilte mir mit, dass in den Vormittagstunden die Schaufenster der Firma eingeschlagen worden seien und erbat meinen Schutz. Ich setzte mich sofort telefonisch mit dem Herrn Polizeipräsidenten in Mainz in Verbindung, welcher mir vollen Schutz des Geschäftes zusicherte und insbesondere betonte, dass nicht geplündert werde. Gegen 1 Uhr mittags erkundigte sich das Polizeipräsidium Mainz telefonisch, ob es seine Richtigkeit habe, dass das Konsulat gegen 10'/2 Uhr angerufen und um Schutz der Firma «Stubs Quelle» gebeten habe, was bejaht wurde. Heute teilte mir nun Herr Rechtsanwalt Walther Weigand mit, dass trotz der Zusicherung des Herrn Polizeipräsidenten die ganze Inneneinrichtung demoliert und Warenvorräte im Werte von etwa 80000. M vernichtet worden seien. Ich werde am kommenden Montag mit Herrn Weigand nach Mainz fahren, um den angerichteten Schaden feststellen zu lassen. ......... ..... da bereits mit der Zertrümmerung der Scheiben begonnen worden sei. Herr Regierungsrat Dr. Ernst vom Polizeipräsidium, den ich um Hilfe bat, sagte mir sofort die Unterstützung zu, indem er das Überfallkommando entsenden werde. Grösserer Schaden scheint hier nicht entstanden zu sein. Herr Wettstein, der Verwalter der je zur Hälfte der Eidgenössischen Bank A.G., Zürich, und der Unfallversicherungs Akt. Ges. in Winterthur gehörenden Liegenschaften, Textorstrasse (Textorblock), welche einen Wert von einigen Millionen repräsentieren, teilte mir mit, dass in der vergangenen Nacht verschiedentlich Mobiliar aus einzelnes Wohnungen geworfen und unmittelbar vor den Häusern angezündet worden sei, sodass eine gewisse Gefahr für die Liegenschaften selbst bestanden habe. Ich bat deshalb den Herrn Polizeipräsidenten, veranlassen zu wollen, dass der polizeiliche Schutz der Häuser verstärkt werde. Herr Hirschi, ein Schweizer Student in Friedberg i/H., Adolf Hitler Polytechnikum, teilte mir telefonisch mit, dass er gestern anlässlich der Zertrümmerung eines jüdischen Geschäftes in Friedberg photographiert habe und anschliessend auf das Polizeiamt mitgenommen worden sei, wo man ihm den Apparat beschlagnahmt und ihn aufgefordert habe, sich heute vormittag, 10 Uhr, wieder auf dem Polizeiamt einzufinden. Ich habe nicht verfehlt, Herrn Hirschi den Vorwurf zu machen, dass es überaus unklug von ihm gewesen sei, zu photographieren. Er hat dann heute wieder auf dein Polizeianu vorgesprochen, wo ein Protokoll aufgenommen worden sei, welches nach Giessen weitergeleitet werde. Der Apparat ist ihm freigegeben worden, während der Film beschlagnahmt bleibt. 445 E 2001 (D) 3/163 Copie Le Consul de Suisse à Cologne, F. von Weiss, au Ministre de Suisse à Berlin, H. Frölicher . Ce rapport a été communiqué à Berne en annexe au rapport de Frölicher du 19 novernbre 1938, cf. No 450. Koln, 12./13. November 1938 Von den Wahrnehmungen, die ich nach meiner Rückkehr aus Berlin hier über die Ausschreitungen gegen die Juden gemacht habe, darf ich Ihnen folgendes berichten. Während ich beim stundenlangen Durchwandern und Durchfahren der Straßen Berlins feststellen konnte, daß im allgemeinen nur die Schaufenster der jüdischen Geschäfte zertrümmert wurden, wobei die Auslagen natürlich auch Schaden erlitten, sind die Zerstörer in Köln ganz gründlich vorgegangen. Von den Hunderten von beschädigten Geschäften in Berlin habe ich nur wenige gesehen, deren Inneneinrichtung und Warenbestände systematisch vernichtet Wurden. Das mag seinen Grund darin haben, daß den Leuten nur wenige Nachtstunden zur Verfügung standen, während in Köln am hellichten Tage und in aller Öffentlichkeit «gearbeitet» wurde. In der Hauptgeschäftesstraße, der Hohenstraße, waren die wenigen noch vorhandenen jüdischen Geschäfte in einer Weise zerstört worden, die jeder Beschreibung spottet. Nicht ein Carton oder Behälter, der nicht zertrampelt war, nachdem man ihn geleert und die Sachen zerstreut und zerstört hatte. Wie mir ein zuverlässiger Augenzeuge berichtete, flogen aus einem großen Pelzgeschäft die Silberfüchse und Pelzmäntel auf' die Straße und wurden zerschnitten. Ladeneinrichtung und Kronleuchter wurden zertrümmert, sodaß man glauben konnte, daß in Köln plötzlich die Vandalen aufgetaucht seien. Hier muß ich mit aller Entschiedenheit, wenigstens für Köln, der Erklärung des Reichsministers Goebbels widersprechen, der sagte, daß die Mitteilungen ausländischer Blätter, die spontane Reaktion des deutschen Volkes sei von organisierten Mannschaften durchgeführt worden, erfunden seien. Wenn es noch eines Beweises bedarf, so könnte folgender Fall dazu dienen. Gegenüber dein Dom befindet sich das alte, jüdische Juweliergeschäft von Goldschmidt. Gestern fragte ich einen meiner Kollegen, ob dieses Geschäft auch zerstört worden sei, worauf er mir nach anfänglicher Zurückhaltung vertraulich sagte: «Nein, das haben sie nicht gewagt, denn das Geschäft ist, was nicht bekannt ist, seit einigen Tagen in belgischen Händen. » Nicht einmal der Steueranwalt der Firma Goldschmidt, der mich heute aufsuchte, wußte etwas davon. Die Veranstalter der Exzesse müssen jedoch im Bilde gewesen sein und Anweisung gegeben haben dieses Geschäft trotz seines jüdischen Namens zu schonen. Zahlreiche Bekannte, darunter Angehörige der SA und SS, haben mir bestätigt, daß sie in der Nacht vom 9. zum 10. November den Auftrag erhielten, zur Durchführung des Zerstörungswerkes anzutreten. Ein Trupp in blauen Drillichanzügen unter Führung eines Chargierten stürmte nachts die hiesigen Synagogen. Durch die zerbrochenen Fensterscheiben wurden Ekrasitbomben geworfen, und als der Zugang frei war, wurde geradezu mit Raffinement alles kurz und klein geschlagen. Die für die rituelle Handlung benutzten Zylinderhüte flogen auf die Straße und dienten der Jugend zum Fußballspiel. Ebenso ging es mit den pietätvoll aufbewahrten Pergamentrollen, auf denen das Alte Testament geschrieben steht; ich darf Ihnen hier ein Stückchen einer solchen Rolle zusenden, die, wie mir mein Gewährsmann sagte, ein Stück ans der Gcnesis des Pentateuch enthält. Diese Rollen wurden darin von der johlenden Jugend zerrissen und verbrannt. Mit besonderer «Liebe» wurde die Orgel einer Synagoge behandelt, sie war nur noch ein Trümmerhaufen. Mein Gewährsmann erzählte mir, daß die Stimmung der Zuschauer geteilt gewesen sei, die Jugend konnte nicht genug Sadismus zeigen, während die Erwachsenen mit vielsagendem Kopfschütteln den Schauplatz dieser wilden Orgien verließen. Die Synagogen, im Inneren noch hie und da brennend, blieben ohne Schutz und Absperrung bis zum Mittag, sodaß Neugierige ein und ausgehen und «souvenirs» sammeln konnten. Ich weiß zuverlässig, daß eine ganze Anzahl SA Leute, die bei Behörden wie Post, Gericht, Zoll, usw. angestellt sind, vollständig ermattet und mit großer Verspätung am nächsten Morgen zum Dienst kamen mit der Entschuldigung, sie seien in der Nacht plötzlich zu einem besonderen Auftrag kommandiert worden. Einer meiner Kollegen sprach gestern mittag beim Oberbürgermeister vor und legte energisch Verwahrung ein gegen die Behandlung einer jüdischen Familie, in der die Ehefrau vor der Heirat seine Staatsangehörigkeit besaß, die sie laut Gesetz sofort wieder annehmen kann. Der Oberbürgermeister beruhigte ihn und versprach, sofort Abhilfe zu schaffen. Er versicherte natürlich, daß es sich um spontane Kundgebungen handle, worauf mein Kollege als Augenzeuge verschiedener Vorfälle ihm glatt widersprach. Der Polizei Vizepräsident erklärte ihm wörtlich: «Wir haben gestern abend der Partei die Macht überlassen müssen, aber die Polizei wird dafür sorgen, daß ab heute abend die Ordnung wieder hergestellt wird. Wenn jetzt etwas passiert, dann wird es illegal sein.» Auch noch fünf andere Kollegen, die ich gestern abend sprach und die ebenfalls Augenzeugen wüster Ausschreitungen waren, meinten übereinstimmend, «qu'il s'est agi d'un pillage organisé par les autorités». Ein anderer Kollege erzählte mir folgendes. Er stand vorgestern vor einem großen Lampengeschäft, das einen trostlosen Anblick bot. Die Schaufenster waren von innen zertrümmert worden, und die Menge, ausschließlich radaulustige Jugend, hörte dann schließlich mit dem Zerstörungswerk auf, als alle Kronleuchter, Kandelaber, usw. in tausend Stücken am Boden herumlagen. Nach etwa einer Viertelstunde hielt plötzlich ein Polizeiauto vor dein Geschäft, und in diesem Augenblick tauchten aus der Trümmerstätte ein Polizeioffizier und 2 SA Leute auf, die in das Auto stiegen, das sofort abfuhr. Ein Spaziergang durch die Innenstadt zeigte mir gestern nachmittag, wie gründlich die Zerstörer gearbeitet hatten. Ein altes, iin ganzen Rheinland bekanntes Kristall und Porzellangeschäft mit einem Warenbestand im Werte von weit über 100000 M wurde derart mitgenommen, daß der ganze Boden mit einer dicken Schicht von Scherben bedeckt war. Ein großes Möbelgeschäft am Ring mit 6 Schaufenstern, das vor einigen Tagen den Ausverkauf angekündigt hatte, wurde ebenfalls vollständig demoliert. Von zuverlässiger Seite höre ich, daß der Sachschaden über 500000 M beträgt. Bei den Zerstörungen gebrauchte man nicht immer die nötige Vorsicht, und so wurden denn auch verschiedene deutsche Geschäfte, die neben jüdischen liegen, «aus Versehen» eben falls demoliert. Wie ich vom Polizeipräsidium erfahre, handelt es sich uni etwa 50Geschäfte, die sofort auf Anordnung des Oberbürgermeisters wieder möglichst instandgesetzt wurden, und zwar auf Kosten der Stadt. Die Inhaberin eines kleinen Geschäftes sagte mir, daß die Stadt für ihre 3 zerbrochenen Schaufensterscheiben über 1000 M zu zahlen habe. den 13. November Im Gegensatz zu den Vorgängen in Berlin, wo ich nur jüdische Geschäfte zerstört sah (nach meiner Rückkehr las ich allerdings in der Presse, daß nachträglich auch in Berlin jüdische Privatwohnungen zerstört und zahlreiche Juden verhaftet wurden), zogen durch Köln organisierte Streifen von einer jüdischen Wohnung zur anderen. Die Familien waren entweder vorher aufgefordert worden, die Wohnung zu verlassen, oder sie mußten in der Ecke eines Zimmers stehen, während die Sachen aus dein Fenster geworfen wurden. Grammophone, Näh und Schreibmaschinen flogen auf die Straße, und einer meiner Kollegen sah sogar, wie ein Klavier aus dem Fenster geworfen wurde, aus dem 2. Stock eines Hauses. Noch heute kann man an Bäumen und Büschen Bettfedern hängen sehen. Wie systematisch die Gestapo vorging, sieht man daraus, daß Hunderte von .luden von einem gewissen Einkommen an verhaftet wurden, die als sogen. Schutzhäftlinge nach dem früheren Zuchthaus in Brauweiler gebracht wurden. Ein mir bekannter Kriminalkommissar erzählte mir, daß in seinem Revier der ärmste dieser verhafteten Juden ein Vermögen von 270000 M gehabt habe. Allein in seinem Bezirk seien 34 Juden abgeführt worden. Ein anderer Gewährsmann sagte mir, daß in seinem Haus in der betr. Nacht ein Kriminalbeamter und ein SS Mann mit der Meldung geweckt wurden, aus Berlin sei Alarmzustand 1. Klasse angeordnet. Gleichzeitig erhielten sie Auftrag, eine Anzahl in seinem Revier wohnhafter Juden zu verhaften. Ein SS Mann, der seinen Zerstörungsdienst in der Synagoge tat, sagte, wie ein Bekannter von mir hörte, das sei der glücklichste Tag seines Lebens. Die Nachrichten, die ich von auswärts erhalte, lauten so, daß die Zerstörungswut der eingesetzten SA und SS Formationen dort, wenn möglich, noch größer war als in Köln. lm benachbarten Städtchen Brühl wurden sogar Lebensmittelgeschäfte mit Petroleurn angezündet. Alle Synagogen in den Ortschaften am Rhein (Bonn, Honnef, Unkel, Neuwied, Remagen, usw.) wurden zu gleicher Zeit gestürmt und in Brand gesteckt. Ein weiterer Beweis, wie planmäßig vorgegangen wurde, liegt darin, daß in Bonn die Feuerwehr vor der Synagoge vorfuhr, ehe überhaupt etwas geschehen war. Die Mannschaft begnügte sich damit, vorsichtshalber die Nachbarhäuser zu besprengen und blieb ganz untätig, als das Feuer sein Vernichtungswerk in der Synagoge tat. Ein Bonner Universitätsfreund, der viele Beziehungen in dieser Stadt hat, sagte mir, daß viele Jungen am Tag nach diesen Zerstörungen zu spät zur Schule kamen mit der Erklärung, daß die vertrauenswürdigsten Mitglieder der HJ um 5 Uhr in der Frühe geweckt worden seien, um mitzuwirken. Am schlimmsten soll in Düsseldorf und Duisburg also nicht in meinem Konsularbezirk gehaust worden sein. In Düsseldorf wurden die luxuriösen jüdischen Geschäfte und die Privatwohnungen noch viel systematischer zerstört als in Köln. Ein jüdischer Anwalt floh verzweifelt aus seiner Wohnung und erschoß sich auf offener Straße. Von Polizeiseite höre ich ganz zuverlässig, daß in Duisburg die « Vandalen » außer der zertrümmerten Wohnungseinrichtung auch die Bewohner zum Fenster hinausbefördert hätten. Auf diese Weise sollen 3 Juden ums Leben gekommen sein. Es würde zu weit führen, hier die zahlreichen Schilderungen von tragischen Vorfällen wiederzugeben, die mir zugegangen sind. Ich füge hier noch einen Bericht unseres Dürener Vertrauensmannes bei, der mir seit Jahren wegen seines sachlichen Urteils bekannt ist. Daraus geht hervor, daß sich dort das Zerstörungswerk ebenso planmäßig vollzogen hat. Der Eindruck, den dieses Vorgehen gegen die Juden hinterließ, war, wie ich in Köln feststellen konnte, ein niederschmetternder. Ich bin in den letzten Tagen von unzähligen mir bekannten Personen aller Gesellschaftsschichten angesprochen worden: «Was sagen Sie zu diesen furchtbaren Vorgängen?» Jeder einzelne fügte dann hinzu: «Man muß sich schämen, ein Deutscher zu sein! » Besonders bestürzt sind über diese Ereignisse die Katholiken, die in Köln den überwiegenden Teil der Bevölkerung bilden. Eine im öffentlichen Leben stehende, einflußreiche Persönlichkeit, die Fühlung mit den Kreisen um den Erzbischof hat, sagte mir noch gestern (was ich einige Stunden später von einem hohen katholischen Würdenträger bestätigt erhielt) beinahe wörtlich: «Herr von Weiß, behalten Sie, was ich Ihnen aus innerster Überzeugung sage: die jetzige Zerstörung der Synagogen war die Generalprobe für die Zerstörung der katholischen und evangelischen Gotteshäuser! » Voll äußerst zuverlässiger Seite höre ich, daß die hiesigen erzbischöflichen Behörden sich schon ernstlich mit der Frage befaßt haben, wie und wo man den hiesigen Dornschatz mit dem kostbaren goldenen Dreiheiligenschrein und dein großen Rubensschen Altarbild sowie die Kostbarkeiten der anderen Kirchen in Sicherheit bringen kann. Einen gewissen ironischen Beigeschmack hat die mir soeben zugetragene Nachricht, daß das auf S. 4 dieses Berichts erwähnte Kristal und Porzellangeschäft, das vollständig zerstört wurde, bereits einige Tage vorher an ein Parteimitglied mit dem goldenen Abzeichen verkauft worden war, was aber nicht hinderte, daß alles kurz und klein geschlagen wurde. Sicherlich ist hier im Westen gegen die Juden schroffer vorgegangen worden als anders wo, und die Erklärung hierfür dürfte nicht schwer sein, wenn man bedenkt, dass der hiesige Gauleiter Grohé ein fanatischer Judenfresser ist, und daß er, ebenso wie der hiesige Polizeipräsident und SA-Brigadeführer, vor Jahren, ostentativ kurz vor Weihnachten, aus der Kirche ausgetreten ist. Hier sei noch erwähnt, daß der Regierungspräsident von Düsseldorf, Dr. Schmid, seinen Posten verlassen mußte, da er eine Jüdin zur Frau hat. In den letzten Tagen zog eine johlende Menge vor das Präsidium und forderte seine Absetzung. Zusammenfassend möchte ich der Überzeugung die von allen meinen hiesigen Kollegen und unzähligen Deutschen geteilt wird Ausdruck geben, daß diese unmenschliche Aktion gegen die luden planmäßig auf höheren Befehl hin vorgenommen wurde. Ich habe mich bemüht, Ihnen streng objektiv über das zu berichten, was ich aus ganz zuverlässiger Quelle erfahren habe. |
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