Georg Zwickenpflug "Erdnah" "Und nun zur Judenbehandlung" 1947

Und nun zur Judenbehandlung.

Hier konnte ich bis 1938 nur geringe Wahrnehmungen machen, weil unserer Kompanie nur wenige Juden zugeteilt waren. Einige wurden während der Arbeit erschossen, andere erhängten sich und der Rest unterlag natürlich den gleichen Schikanen wie wir.

Etwa anfangs Juni 1938 hörte ich ein Gespräch zwischen den Hauptscharführern Schmidt und Unterhuber.

Schmidt äusserte: "Wir müssen den 19. Block frei machen für die Juden, wir werden demnächst Tausende solcher Stinker als Zugang bekommen."

Tatsächlich wurde gegen anfangs Juli 1938 der 19. Block auch geräumt und nur der Blockälteste, der Blockschreiber und die Stubenältesten blieben im Block.

Damit ist einwandfrei erwiesen, dass nicht die im November 1938 erfolgte Erschiessung des Botschafters von Rath in Paris durch einen jüdischen Emigranten die Ursache der damals entfachten Judenhetze war, sondern dass schon im Juni 1938 diese Judenverfolgung ins Auge gefasst wurde.

Im November 1938 begann dann die Judenaktion.

Die in das Lager Dachau eingelieferten Juden wurden in meinem 19. Block, der ja leer war, vorübergehend verwahrt und später in einzelne Blocks im Lager verteilt.

Der 19. Block war für etwa 250 Mann gedacht und über 1800 Juden wurden in diese Räume gepfercht.

Mit Ochsenziemer und Gummiknüttel wurden die Juden immer wieder-zusammengetrieben.

Ein Teil der auf den Boden zu liegen Gekommenen wurden zertreten oder erstickte.

Auf der Lagergasse schlugen die SS Männer wie wahnsinnig auf die Juden ein. Dabei verlor ein Scharführer seine Armbanduhr, worauf er erst recht wütend wurde und auf die Juden losging wie ein wildes Tier.

Einen Juden mit wallenden Barte riss er am Barte zu Boden und erschlug ihn fast.


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